Seit vollen drei Monaten lebt die kleine Robbe Maja an der Bremer Weserschleuse. Sie hat sich völlig an die menschlichen Aktivitäten um sie herum gewöhnt. Und tolieriert es sogar, wenn Menschen sich auf wenige Meter nähern.

In den letzten Tagen hat es in Bremen viel geregnet. Das Wasser steht hoch und Majas derzeitige Lieblingsstelle, die Bootsrampe an der Schleuse, ist schlammig. Heute Nachmittag ruhte die junge, dreckige Seehund-Dame mitten im Schmodder.
Und ja: Maja ist tatsächlich ein Weibchen. Das hat mir ein Fachmann der Seehundstation Norddeich bestätigt. Und schrieb: "Ihre Körperform sieht fantastisch aus!" Auch dass Maja inzwischen über den Augen fast alle Vibrissen (Tasthaare) fehlen, ist wohl kein Grund zur Sorge.
Die Vibrissen benötigt ein Seehund, um im trüben Wasser Fische aufzuspüren. Am wichtigsten sind dabei jene am Maul - und da gedeiht bei Maja ein prächtiger Robbenbart!
Es muss im Moment viel Fisch geben rund um das Weserwehr. Die Robbe kann sich offenbar ordentlich sattessen und kann sich lange Ruhephasen an Land erlauben.
Das ist ungewöhnlich und hat sicher mit Majas geringer Scheu vor Menschen zu tun. Denn die meisten Seehunde, die ich bislang hier beobachtet habe, zogen es vor, unter Wasser zu schlafen.
Nicht diese Robbe: Maja pennt die meiste Zeit des Tages, fängt sich zwischendurch mal nen Fisch - und legt sich dann wieder hin.
Irgendwann wird auch sie weiterziehen, wie ungefähr ein Dutzend Seehunde, die ich in den vergangenen neun Jahren am Weserwehr beobachtet habe. Es sieht mir nicht danach aus, als hätte sie es eilig damit. Mal sehen, ob Maja auch noch den vierten Monat hier verbringt.