Im Porträt:
Doro Kluntje
Mit dem Motorboot zur Arbeit - das war etwas ganz Besonderes am Morgen des 14. Oktober 2022. Ein Kollege macht das öfters mal und als ich im von den Weserrobben erzählt hatte, nahm er mich mit.
Und es sollte sich lohnen: An der Schleuse platschte es plötzlich, als wäre ein riesiger Kandis in ein gigantische Tasse Tee gefallen. Es war das erste Mal, dass ich Doro Kluntje entdeckte. Sie blieb mehrere Wochen am Weserwehr.
Die Schleuse und die dortige Bootsrampe hatte sie sich als Schlafplatz ausgesucht, wie schon so viele Weserrobben vor ihr. Dort konnte ich sie oft beobachten und zauberhafte Fotos entstanden.
Sie trägt keine Flossenmarke, ist also vermutlich in der Wildnis herangewachsen. Und ob sie wirklich ein Weibchen ist, weiß ich nicht. Ich nehme es einfach an.
Natürlich bekam sie es mit, wenn ich sie fotografierte. Denn wenn ein Mensch einen Seehund entdeckt, hat der einen meistens schon längst gesehen.
Doro Kluntje war recht scheu. Ich musste mich deshalb immer sehr langsam und ruhig bewegen, um sie nicht zu stören. Das gelang mir nicht immer.
Ein Mal im Oktober lag Nebel über ihrem Ruheplatz, so dicht wie Erbsensuppe.
Sie räkelte sich auf dem Steg wie ihre Artgenossen an den Stränden der Nordsee.
Zu ihrem Namen kam Doro kam sie, als eine alte Kollegin von mir mich zufällig traf, während ich die Weserrobbe beobachtete. Und da sie noch keinen Namen hatte, wurde die Kollegin Namenspatin.
Und "Kluntje" heißt das Boot, von dem aus ich sie zum ersten Mal sah. Doro Kluntje machte es sich auch das ein oder andere Mal auf der Befestigung der Schleusenwand am Nordufer bequem.
Das hatte ich noch bei keinem Seehund beobachtet. Der Platz taugt aber auch nicht für ausgedehnte Nickerchen, denn wenn die Ebbe kommt, hängt man dann ganz schön in der Luft.
Die Slipanlage für Boote ist eigentlich optimal für Seehunde, wäre da nicht der Gehweg, der daran entlang führt. Von dort sind Übernachtungsgäste gut sichtbar.
Allerdings werden sie erstaunlicherweise von den wenigsten Menschen dort bemerkt.
Wenn Doro Kluntje nicht an Schleuse abhing, sah man sie meistens weit vom Ufer irgendwo am Weserwehr dümpeln und stundenlang schnorcheln.
Einige Male sah ich sie zusammen mit Marvin, dem anderen Seehund, der zu dieser Zeit in der Gegend war. Wilde Jagdszenen boten beide nicht. Jedenfalls wurde ich nie Zeuge von erfolgreichem Beutefang bei Doro Klunte.
Zugegeben, das waren nicht die interessantesten Robbenbegegnungen meines Lebens: Wenn Robben im Wasser ruhen, tauchen sie nur ab und zu wie ein Korken an der Wasseroberfläche auf zum Atmen und lassen sich dann wieder für viele Minuten absinken.
Doro Kluntje schlief nur manchmal am Weserwehr. Ein mal passte ich sie auf ihrem Rückweg von dort ab und sie kam sehr nahe heran. So scheu sie war, wenn man sich ruhig verhielt, kam sie manchmal neugierig herangeschwommen.
Am 11. Dezember 2022 sah ich Doro Kluntje zum vorerst letzten Mal. Ich bin gespannt, ab sie hier noch einmal auftaucht. Ich würde mich freuen.











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