Finchen wurde im Sommer 2021 als Heuler gefunden und in die Seehundstation Norddeich gebracht. Im September wurde sie vor Juist ausgewildert. Auf welchem Weg sie nach Bremen gelangt sein mag? Ich habe eine relativ direkte Route nördlich der Ostfriesischen Inseln eingetragen. 193 Kilometer! In Wirklichkeit dürfte sie erheblich mehr Strecke zurückgelegt haben, bis sie Ende Dezember - noch ziemlich klein und dünn - am Bremer Weserwehr ankam.
Zwischen Bremerhaven und Nordenham schwamm Finchen irgendwann im Herbst 2021 vorbei an Brake und Elsfleth, etwa am dem Denkort Bunker Valentin erreichte sie die Grenzen des Bundeslandes Bremen.
Von dort waren es noch gut 30 Kilometer stromaufwärts: Vorbei an Lemwerder, Vegesack und dem Neustädter Hafen. Dort werden öfter mal Seehunde gesichtet - ob Finchen dort Artgenossen traf, ist ihr Geheimnis. Auf dem Foto unten von 2019 sind zwei andere Seehunde zu sehen: Rechts Joana, die bis Ende 2019 am Weserwehr zuhause war, links ein anderer Seehund, den ich "Panther" getauft habe. Joanas Flossenmarke hatte ich damals ebenfalls identifiziert - sie war 2019 in der Seehundstation Friedrichskoog aufgezogen worden. Mehr dazu ein andermal.
Schließlich aber zog es sie weiter, vorbei an der Bremer Innenstadt, dem Viertel, dem Weserstadion bis zu einer Barriere, die sie meines Wissens bislang nicht überwunden hat: Dem Weserwehr!
Auch für die Fische ist es ein Hindernis: Die im Winter flussaufwärts ziehenden Neunaugen suchen hier oft vergeblich nach dem Fischpass, der sie in sichere Gewässer bringt. Etliche landen in den Mägen der hungrigen Kromorane. Auch die Möwen mögen fangfrische Neunaugen.
Selbst fangen können Möwen die kieferlosen Fische zwar nicht, weil sie nicht tauchen können. Aber immer mal wieder schnappen sie den geschickten Tauchjägern ihre Beute vom Schnabel. Auch Finchen dürfte hier gelandet sein, weil sie ihrer Leibspeise nachjagte, den Neunaugen.
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