Da Finchen heute immer lange Tauchphasen einlegte, hatte ich Gelegenheit, mal zu schauen, wie die Vögel um mich herum den Samstagvormittag verbringen. Schwer zu deuten, wie die verschiednen Arten so miteinander klarkommen.
Los ging es mit Silbermöwen, Kormoranen und irritierten Graugänsen. Irgendwas gab es dort offensichtlich zu holen.

Einer der Kormorane brachte das Objekt der Begierde ans Licht.
Was für ein Fisch das Streitobjekt zu Lebzeiten war, weiß ich nicht. Nach einer
Bildergalerie des
Anglerfischereiverbandes Weser-Ems könnte es sich vielleicht um einen
Günster handeln, denke ich. Oder eine junge
Brasse? Anglerinnen (falls es die gibt) und Angler, gebt mir einen Tipp!.
Der Happen war offenbar zu groß. Der Kormoran ließ ihn liegen und verschwand. Fisch treibt an der Wasseroberfläche, auch die Möwen können ihn nicht festhalten.
Aber den Graugänsen reichte es jetzt mit all dem Gezeter und dem Stress. Sie schipperten fort. Fisch interessiert die Pflanzenfresser sowieso nicht.
Was dann passierte, kann ich leider nur mit Worten erzählen, es ging zu schnell für einen Amateurfotografen wie mich. Ein Graureiher erschien, schnappte sich den Fisch und trug ihn in meine Richtung zum gegenüberliegenden Ufer. Der Reiher zog nach kurzer Zeit ab. Ich fürchte, er fühlte sich durch den neugierigen Fotografen gestört. Da lag er nun, der Fisch.
Erst diskutierte eine Rabenkrähe mit einer jungen Silbermöwe um die Beute. Beide pickten abwechselnd auch mal an dem Leckerbissen. Dann warteten sie auf Distanz und checkten einander ab. Doch nicht so lecker? Oder schon satt?
Bald kam der Graureiher zurück. Die Stimmung blieb friedlich und diplomatisch. Der Reiher schien mit dem Fisch nicht viel anfangen zu können. War er auch für ihn zu groß?
Die Krähe holte sich in aller Ruhe ihren Anteil. Aber irgendwann ließen alle den Kadaver achtlos liegen und flogen davon.
Dann ergriffen zwei Lachmöwen ihre Chance. Die kleineren Verwandten hatten das Schauspiel aus der Entfernung beobachtet, aber erst als die größeren Silbermöwen das Territorium verlassen hatten, trauten sich heran.
Ich war beeindruckt, wie gesittet es unter den verschiedenen Vogelarten zuging. Selbst die Silbermöwen waren für ihre Verhältnisse geradezu diplomatisch. Eine Ausnahme muss man vielleicht bei den Kormoranen machen: Sie haben zwischendurch ganz schön den Macker markiert, bis sie merkten, dass die Beute zu groß für sie war. Dann verloren sie schnell die Lust.
Das wilde Wesen der Kormorane hatten ein paar ihrer Vertreter heute Morgen schon gleich am Anfang meiner Tour demonstriert. Seit langem konnte ich mal wieder einen ihrer Kämpfe um ein Neunauge beobachten. Diesmal konnte der erfolgreiche Jäger die Beute verschlingen. Nicht immer geht es so aus.
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