Auf Beziehungen kommt es an! Wer einen Kollegen hat, der ein Boot besitzt und den Arbeitsweg gerne auf der Weser zurücklegt, sollte sich mit ihm gut stellen. Bei mir ist heute eine Robben-Tour am Morgen herausgesprungen. Und als Bonus am Weserwehr: Wieder ein neues Robbengesicht hier am südlichsten Zipfel der Nordsee.
Denn bekanntlich macht der frühe Vogel einen guten Fang.
Als wir losfuhren, wurde es gerade hell. Grau und diesig der Himmel, aber kein Regen und kaum Wind. Die Weser floss ruhig dahin wie geschmolzenes Blei.
Am Weserwehr tauchte dann eine sehr junge Robbe auf. Darauf hatten wir es abgesehen, aber ich gab uns nur eine fifty-fifty-Chance, weil ich am Weserwehr schon seit Wochen keinen Seehund mehr gesehen hatte.
Der Seehund ist ein Neuling: Die Fellzeichnung passt nicht zu den Seehunden, die ich in meiner Kartei habe. Ich hatte vermutet, es sei das gleiche Tier wie am Morgen des 4. Oktober, als ich auf meinem Arbeitsweg gleich zwei Seehunden begegnete.
Ich gebe ihm (oder ihr) erst mal keinen Namen. Dafür muss er sich noch ein paar mal zeigen. Eine Flossenmarke habe ich übrigens nicht entdeckt. Es ist also wahrscheinlich, dass dieser Seehund aus der freien Wildbahn stammt.
Es ist bereits der fünfte Seehund, den ich dieses Jahr hier gesichtet habe; wenn man Valentin in Bremen-Farge mitzählt, sechs. In früheren Jahren waren schon zwei eher selten. Es gab Jahre viele Jahre, in denen ich kaum ein Tier gesichtet habe.
Dass Robben zeitweise in Flüssen leben, ist weltweit zu beobachten und nicht ungewöhnlich. Eine Großstadt wie Bremen allerdings ist schon gewöhnungsbedürftig für Seehunde, könnte ich mir vorstellen. Das gesündeste Leben führen hier auch die Seehunde nicht, die Fische sind sicher nicht gerade bio.
Eine stark befahrene Wasserstraße wie die Weser ist sicher kein idealer Ort für scheue Tiere wie Robben. Aber einige von ihnen halten es offenbar lange Phasen in Bremen aus, denn immerhin werden sie hier satt.
Ich mache mir keine Sorgen um die Weserrobben hier. Sie sind neugierig und kennen ihre Jagdgebiete. Wenn es sich nicht mehr lohnt, schwimmen sie weiter. 100 Kilometer am Tag können sie schaffen. Wenn sie wollen, finden sie immer wieder zurück ins Meer.








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