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Freitag, 27. Januar 2023

Finchen die ostfriesische Weserrobbe ist zurück!

Diesen Tag habe ich lange herbeigesehnt: Finchen ist zurück! Nach drei Monaten, zwei Wochen und zwei Tagen ist meine Lieblings-Weserrobbe am späten Nachmittag am Weserwehr herum geschwommen. Mein erster Seehund in diesem Jahr und der erste am Weserwehr seit einem Monat, drei Wochen und fünf Tagen.


Mich verbindet ein langes und von spannenden Begegnungen geprägtes Interesse mit diesem Seehund. Im Dezember 2021 sah ich Finchen zum ersten Mal am Weserwehr: Ein winziges Tierchen, das eifrig Neunaugen verspeiste. Sie war es, die mich zu diesem Blog inspirierte.


Ich hatte tief in meinem Herzen immer gehofft, dass ich sie wiedersehen würde. Aber die beste Zeit zur Jagd nach Neunaugen ist fast vorbei und war auch nicht sehr üppig dieses Jahr. Deshalb schwand meine Hoffnung in letzter Zeit, Finchen noch einmal zu sehen.


Aber jetzt ist sie wieder da! Die Seehundstation Norddeich hatte Finchen im Sommer 2021 als Heuler gerettet, aufgepäppelt und dann ausgewildert. Sie gelangte bis nach Bremen, ich las ihre Flossenmarke ab, und Norddeich meldete mir, wer sie ist und wie sie heißt. 


Die Leute dort werden sich freuen, wieder von ihrem Zögling zu hören! Finchen ist die erste Robbe, die ich in drei aufeinanderfolgenden Jahren hier beobachten konnte. Mehr über Finchens Geschichte findet ihr im Porträt


Als ich den Seehund heute Nachmittag sah, wusste ich nicht sofort, dass es Finchen war. Allerdings fiel mir die verblüffende Ähnlichkeit im Verhalten auf: Wie Finchen auch, taucht diese Robbe gerne mit Vorwärtsrolle ab, wie ein Delfin. So passend, ihr Name!


Auch zog die Weserrobbe auf der Jagd genau die gleichen Bahnen wie vergangenes Jahr Finchen. Und auch die Art dieses Seehunds, sehr zügig und über weite Strecken an der Wasseroberfläche zu schwimmen, passte. 


Als ich mir dann ein par Bilder auf dem Display der Kamera genauer anschaute, war schnell klar: Hier schwimmt die Robbe mit dem Herz am linken Fleck. Denn diese wundersame, herzförmige Fellzeichnung an der linken Kopfseite sticht aus Hunderten heraus!


Vor etwa einem Jahr begann das damals noch junge junge Finchen, immer mal wieder eine Weile vom Weserwehr zu verschwinden. Dann konnte ich sie manchmal wochenlang nicht entdecken. Irgendwann dann monatelang. Und dann kehrte sie doch immer wieder zurück. So wie diesmal auch.


Ich fühle mich in meiner pseudo-wissenschaftlichen Hypothese bestätigt, dass tideabhängige Flüsse ein natürlicher Lebensraum für Seehunde ist. Und  dass sie Ebbe und Flut zu nutzen wissen, um mit wenig Energieaufwand viele Kilometer im Fluss zurückzulegen. 


Um dort hin zu gelangen, wo es Fisch gibt. Und dass sie sich nicht etwa in die Weser verirren, wie zum Beispiel eine Zeitung gerne mal kolportiert, die sich zum Kurier der Weser erklärt hat.


Aber - wo ist sie, die Beute? Sicher nicht an der Oberfläche. Da ist nur wieder so ein zweibeiniges Wesen, das man besser nicht aus den Augen lässt. Wer weiß, was der vor hat.


Ob Finchen Beute machen konnte, weiß ich nicht. Anders als noch im Oktober, bekam ich sie diesmal nicht zu sehen, wie sie ihre Beute an der Wasseroberfläche zerfetzt.


Vielleicht hat sie unter Wasser gefressen. Oder sie hat nichts gefangen.  


Ich war spät dran und konnte die Weserrobbe nicht viel länger als zwanzig Minuten beobachten, dann schwamm Finchen die Weser herab. Ich sah sie noch zwei oder drei Mal auftauchen, ein Foto gelang mir dann aber nicht mehr. Schließlich verlor ich sie aus den Augen.


Zu gern wüsste ich, wo Finchen all die Monate war. Ob sie bis in die Nordsee geschwommen ist? Den Ebbe-Flut-Effekt können Robben bequem wie eine Rolltreppe nutzen, so dass sie theoretisch an einem Tag von Bremen bis Bremerhaven gelangen könnten - das sind gut 70 Kilometer. 


Ob sie solche Reisen unternehmen und wie viel Zeit sie sich dafür nehmen - keine Ahnung. Nichts als Spekulation. Fest steht aber: Finchen ist eine echte Weserrobbe, denn sie verbringt mindestens viele Monate im Jahr im Fluss!


Die spannende Frage ist jetzt, ob das nur eine Stippvisite war, oder ob Finchen gekommen ist um eine Weile zu bleiben. Vielleicht ist sie auch schon ein paar Tage hier, ich konnte länger nicht nachschauen.





Ich versuche, Finchen auf der Spur zu bleiben.



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